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Witzig kontern statt sprachlos dastehen

Wie man schlagfertig wird / Tipps vom Kommunikationsexperten
Die Situation kennt jeder: Uns passiert ein Missgeschick - etwa ein Rempler in der S-Bahn - und der Betroffene reagiert mit einem verbalen Angriff. Manchmal gelingt ein Konter. Doch meistens sind wir sprachlos. Eine treffende Entgegnung fällt uns erst viel später ein. Das muss nicht sein. „Schlagfertigkeit ist lernbar. Man muss nur einige Regeln beachten”, sagt Sven Sander.
Der Kommunikationstrainer aus Cuxhaven beschäftigt sich schon lange mit dem Thema Schlagfertigkeit. Seine Erfahrungen gibt er in Seminaren weiter. Sander: „Es gibt keine Regel, die in 100 Prozent aller Fälle funktioniert.” Man könne
Kommunikatiostrainer Sven Sander
Kommunikatiostrainer Sven Sander
aber auch Systematiken entwickeln, die häufig eingesetzt werden können. Der MOPO hat er einige Kniffe verraten: Grundhaltung: „Schlagfertigkeit ist die Königsdiszipin der Kommunikation”, so Sander. Wichtig sei vor allem die Grundhaltung. „Sie dürfen sich
nicht in die Opferrolle begeben. Nur so kommen Sie selbstbewusst rüber.” Sein Tipp: Aufrecht stehen, dem Gegner in die Augen schauen. Wer getroffen zurückweicht, provoziert, dass der nächste Angriff härter wird.
Lösung in die Zukunft verschieben: Wir kennen es von Politikern: Bei kritischen Fragen berufen sie sich häufig darauf, dass das Gesetz noch im Ausschuss diskutiert werden muss. Danach könne man die Frage beantworten. Sander: „So macht man sich unangreifbar.”
Höheres Ziel: Besonders im Berufsleben will man kompetent erscheinen. „Daher sollte jeder bei Sachfragen immer die stärksten Argumente parat haben”, so Sander. Er rät, bei kritischen Bemerkungen zur
Sven Sander
Wie beim Boxen können auch Worte hart treffen: Doch wer die richtige
Deckung trainiert, kann seinen Gegner mehr als verblüffen


Floskel „wichtiger ist doch” zu greifen. So leitet man geschickt auf die Sachebene.
Namen nennen: Um Zeit zu gewinnen, ist es sinnvoll, vor der Antwort den Namen zu nennen.
Sander: „Das schmeichelt dem anderen. Die nächste Frage wird milder.”
Nicht rechtfertigen: Wem ist es noch nicht passiert: Ein Kollege bemerkt: „Du hast aber zugelegt.” Passende Reaktion: „Ja, sieht doch gut aus, oder?” Sander: „Das verblüfft und nimmt ihm den Wind aus den Segeln.”
Und auch für unser Beispiel zu Beginn hat Sander eine Taktik parat. „Greift uns jemand öffentlich an, verrät das viel über
sein Befinden. Oft lassen Menschen ihren Ärger an uns aus. Freundlich, aber bestimmt etwas bemerken wie: „Sie scheinen ein Problem mit sich selbst zu haben”, kann hier Wunder wirken. Unser Gegenüber ist baff. Und wir haben uns aus der Opferrolle befreit. Zurück bleibt eine angenehme Genugtuung.(kos)